Sonntag, 11. September 2005

Unser Übernachtungsplatz ist sehr ruhig. Nur ein paar Jugendliche, die in der Nacht über den Platz gehen, können es sich nicht verkneifen, mal kräftig an die Wände des "Wohnwagens" zu klopfen. Annemarie liegt danach eine halbe Stunde wach und wartet auf die Rückkehr der Bande, aber die waren wohl nur auf dem Heimweg.

Am frühen Morgen beginnt es zu tröpfeln. im Laufe des Morgens braut sich ein herzhaftes Gewitter zusammen, wobei das Wasser in Sturzbächen vom Himmel fällt und den schönen, griechischen Staub von unserem Wohnmobil spült. Wie jeden Morgen, brauchen wir auch heute wieder einmal fast zwei Stunden, bis wir endlich fertig sind und weiter fahren können.

Einige Caches liegen auch noch auf der Strecke, aber bei diesem Regen brauchen wir nicht daran zu denken, anzuhalten und auszusteigen. Ich habe heute morgen nach sechs Wochen das erste Mal wieder eine lange Hose angezogen.

Als wir gegen Mittag am Zuger See vorbei kommen und dort, unweit der Strecke ein Cache verzeichnet ist, halten wir an, um uns die Beine zu vertreten und den Cache zu suchen.

Tief hängende Wolken über dem Zuger See

Die Fahrt geht weiter und als wir am Nachmittag Schaffhausen erreichen, scheint sogar die Sonne. Auch hier suchen und finden wir einen Cache und sehen dabei den Rheinfall einmal von der anderen Seite.

Der Rheinfall

Am Abend kommen wir wohlbehalten zu Hause an. Es erwarten uns ein Berg Post und eine maunzende und schmusebedürftige Trixi. Der Alltag hat uns wieder, aber es war sehr schön und wir freuen uns schon aufs nächste Jahr.

Der Reisebericht wird in der nächsten Zeit noch etwas überarbeitet. Das Tracklog der gesamten Tour werde ich, wenn ich es fertig gestellt habe, zum Herunterladen anbieten. Es kann aber noch eine Weile dauern, bis ich damit fertig bin. Im Augenblick gibt es eine Menge andere, wichtigere Dinge zu erledigen…

Samstag, 10. September 2005

In der Nacht geht ein heftiges Gewitter nieder. Annemarie steht auf und schließt die Dachluken. Der Wind trifft uns von der Seite und salzt unser Wohnmobil ein.

Am frühen Morgen erreichen wir Venedig. Der Himmel ist bewölkt aber die Fahrt durch die Stadt ist ein schönes Erlebnis. Ich bin jedoch damit beschäftigt, das Wohnmobil für die Fahrt vorzubereiten und alle Uhren wieder auf unsere Zeit umzustellen.

Der Markusplatz von Venedig im Zwielicht des frühen Morgens

Direkt hinter uns läuft eine zweite Riesenfähre, die Lefka Ori der Anek Lines in den Hafen von Venedig ein.

Um 8:20 unserer Zeit verlassen wir das Schiff. Da mehrere Fähren zur gleichen Zeit angekommen sind, staut sich der Verkehr bis zur Hafenausfahrt etwas. Schließlich erreichen wir die Autobahn. An der ersten Raststätte halten wir, um zu frühstücken. Weiter geht die Fahrt.

Ich habe einen Cache auf der Strecke ausgesucht, ca. 150 km vom Frühstücksplatz aus, in der Burg von Brescia. Hier halten wir an, um uns die Beine zu vertreten. Während ich den Cache suche und auch finde, sammeln die Kinder Kastanien, die es hier in großen Mengen gibt.

Die Burg von Brescia

Blick auf Brescia von der Burg aus

Nach ausgiebiger Pause geht die Fahrt gegen 13:15 Uhr weiter. Bei Bergamo verlassen wir die Autobahn, um die Abkürzungsstrecke Richtung Como zu nehmen. Außerdem haben wir Hunger und suchen eine Pizzeria. Kurz hinter der Ortschaft Giuseppe finden wir eine geöffnete Pizzeria. Nachdem wir vier Pizzen verdrückt haben, halten wir noch beim Penny-Markt, der sich wenige Meter weiter auf der linken Straßenseite befindet. Hier muss Annemarie noch einige Lebensmittel fürs Wochenende einkaufen.

Als auch das erledigt ist, und wir weiter fahren, kommt nochmals ein Cache ich den Sichtbereich des GPS-Gerätes. Obwohl es für diesen Cache, der in einem Vogelschutzgebiet liegt, keine englischsprachige Beschreibung gibt, sondern nur langatmige Beschreibungen in italienisch, die ich nicht verstehe, versuchen wir unser Glück. Wir stellen das Wohnmobile auf einem Parkplatz ab und wandern an einem kleinen See entlang. Annemarie findet schließlich den Cache an einem Baum.

In diesem Naturschutzgebiet befindet sich eine ornithologische Beobachtungsstation

Um 19 Uhr überqueren wir die Grenze in die Schweiz. Auf einem großen Parkplatz oder Festplatz übernachten wir. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf die beleuchteten Burgen. In der oberen fanden Fabian und ich auf der Fahrt in den Urlaub auch einen Cache.

Die Burgen von Bellinzona

Freitag, 9. September 2005

Um 9 Uhr wachen wir auf. Das Schiff legt gerade irgendwo an. Ich vermute Korfu, stelle aber bei einem Blick auf das GPS-Gerät fest, dass dies Igoumenitsa ist. In Korfu waren wir bereits um 7 Uhr morgens.

Durch unseren günstigen Stellplatz an einer Außenluke ist es mir wieder möglich, die magnetische GPS-Antenne an der Außenwand des Schiffes zu befestigen, um so die Position und die Geschwindigkeit des Schiffes während der Fahrt zu überwachen. Stolze 47,7 km/h erreicht dieses Schiff. Die berechnete Ankunftszeit in Venedig ist 8:30 Uhr morgen früh.

Nach dem Frühstück erkunden die Kinder und ich das Schiff. Sarah ist beeindruckt. "Das Schiff sieht wie ein Luxus-Kreuzfahrtschiff aus", meint sie.

Sehr geschmackvolles Ambiente

Sie hat recht. Das Schiff ist mit den Fähren der älteren Generation nicht zu vergleichen. Es gibt mehrere Boutiquen an Bord, Swimmingpools und vieles mehr. Das Ambiente sieht luxuriös aus, auch wenn überall Decktouristen ihre Schlafsäcke ausgebreitet haben.

Ein Foto für Oma

Am Vormittag ziehe ich mich in unsere fahrbare Kabine mit Meerblick zurück, um die Erlebnisse der letzten Tage aufzuschreiben. Es gibt wieder viel zu erzählen und das braucht Zeit. Die Kinder stürzen sich derweil in den Pool, der inzwischen mit Meerwasser gefüllt wurde.

Annemarie und Petra mit den Kindern am Pool

Als sich eine Wolkenschicht zwischen uns und die Sonne schiebt, gehen wir duschen und begeben uns ins Wohnmobil. Wir essen eine Kleinigkeit und schauen dann einen Film an. Den restlichen Tag an Bord verbringen wir mit Schlafen, Karten spielen, Unterhaltungen und so weiter.

Am Abend, als die Kinder im Bett sind, sitzen wir nochmals in gemütlicher Runde bei Uli und Petra und lassen Ulis Geburtstag ausklingen.

Donnerstag, 8. September 2005

Am Morgen, nach einem schnellen Frühstück "bretteln" wir unser Wohnmobil aus unserem schönen Platz in der ersten Reihe des Campingplatzes Anemomilos, den wir zwei Wochen genossen haben.

Maikie durfte heute Nacht mit Andrea am Strand schlafen

Zunächst müssen wir noch ver- und entsorgen, danach beginnt die lange Verabschiedung von all unseren Freunden. Erst als wir unterwegs sind, fällt uns auf, dass wir uns nicht von Andrea verabschiedet haben. Als wir an ihrem Wohnmobil waren, war sie nicht da und unter den oben wartenden Freunden war sie ebenfalls nicht. Das fällt uns allerdings erst auf, als wir bereits unterwegs sind.

Tschüss, bis nächstes Jahr!

Von Willi, Gabi und Daniela brauchen wir uns noch nicht zu verabschieden, denn wir fahren einen Teil der Strecke gemeinsam. Ihre Fähre fährt zwar erst um 20 Uhr, während unsere bereits um 17 Uhr in Patras ablegen soll, aber wir haben noch Zeit, denn wir starten um 11 Uhr. Unterwegs kaufen wir schnell beim Lidl in Kyparissia ein und halten bei den Schildkröten am Lake Kaiafas, um uns zu verabschieden. Hier trennen sich unsere Wege. Wir müssen uns jetzt sputen, um rechtzeitig zwei Stunden vor Abfahrt der Fähre am Hafen einchecken zu können.

Interessanter als die Schildkröten ist ein junger, ausgehungerter Hund, den wir um ein Haar mitgenommen hätten. Lediglich die Tatsache, dass wir in Zeitnot sind, verhindert dies.

Jetzt wird es aber Zeit. Die Verabschiedung von unseren Freunden dauert länger, als unser Zeitbudget eigentlich zulässt. Den Rest der Strecke bis Patras fahren wir Vollgas und überholen alles, was sonst noch so unterwegs ist.

Um 16 Uhr erreichen wir den Hafen und checken sofort am Schalter der Maritime Ways ("MyWay") ein. Das Schiff fahre eine Stunde später, da eine technische Inspektion durchgeführt werde, teilt man uns am Schalter mit. Das Schiff, die "Elli T." liegt am Gate 1. Wir entrichten unsere Hafengebühr, erhalten die erforderlichen Papiere und wir fahren zum Gate 1. Dort fällt uns auf, dass einige Männer heftig diskutierend am Heck des Schiffes stehen und trotz fortgeschrittener Stunde noch nicht beladen wird. Ich steige aus, um mir anzusehen, über was die Männer diskutieren. Was ich sehe, verschlägt mir den Atem: die Elli T. hat ein Loch im Heck und einige Arbeiter sind gerade dabei, vom Boot aus die Spuren einer Kollision mit Farbe zu überstreichen.

Überstreichen der Kollisionsspuren mit Farbe

Im Laufe der Zeit und durch Unterhaltung mit den umstehenden Männern bekomme ich heraus, dass das Schiff beim Anlegen eine heftige Kollision mit der Hafenmauer hatte. Unterhalb des Schutzpuffers, der normalerweise solche Stöße abfangen sollte, klafft jetzt ein ca. 1 Meter langer Riss in der Außenhaut des Schiffes. Einer der umstehenden Männer sieht meinen kritischen Blick und grinst mich an, indem er Schwimmbewegungen andeutet.

Die Reparaturarbeiten sind abgeschlossen, die Kratzspuren überstrichen, das Loch bleibt.

Annemarie erklärt mit kategorisch, dass sie mit diesem Seelenverkäufer unter keinen Umständen fahren werde. Das ist allerdings überflüssig, denn auch ich stelle mir unter einer technischen Inspektion etwas anderes vor.

Entrüstet kehren wir zum Schalter der MyWay zurück, knallen unser Ticket auf den Tresen und dem Schalterbeamten unsere Wut an den Kopf. Kommentarlos bekommen wir den Wert des Tickets und die Hafengebühr in bar ausgezahlt.

Was ich nicht für möglich gehalten hätte, trifft ein: trotz dem Loch im Heck wird die Elli T. beladen. Sie wird die Fahrt also antreten.

Jetzt stehen wir im Hafen von Patras, an einem der Hauptrückreisetermine und haben kein Ticket. Annemarie und ich belagern sämtliche Schalter und versuchen, ein Ticket in irgendeinen italienischen Hafen zu bekommen. Bei Minoan Lines haben wir außerordentliches Glück: wir erhalten den letzten "Camping an Bord"-Platz auf der Fähre, die um Mitternacht nach Venedig ablegt. Wir könnten die Dame hinter dem Schalter knutschen.

Überglücklich warten wir im Wohnmobil auf die Ankunft von Willi und Gabi im Hafen. Ihre Fähre der Superfast-Ferries legt um 20 Uhr Richtung Ancona ab. Pünktlich, zwei Stunden vor Abfahrt treffen sie ein. Wir erzählen von unserem Glück und verabschieden uns nochmals ausgiebig, bevor sie an Bord ihres Schiffes fahren.

Auf unserem Schiff nach Venedig fahren auch einige Freunde. Wir wissen von Hubert und Rita, sowie Uli und Petra, dass ihre Fähre um Mitternacht gehen soll. Auch sie sind überrascht unser Wohnmobil in der Warteschlange nach Venedig zu entdecken. Schließlich hatte sich bereits herumgesprochen, dass wir mit einer kleinen Gesellschaft, die keiner kennt, unterwegs waren. Um so größer ist die Freude, sich nochmals wieder zu sehen.

Warten auf unser Schiff

Um 20:15 Uhr läuft die Superfast VI, das Schiff von Willi, Gabi und Daniela aus. Wir stehen am Kai und winken ihnen nach. Willi, Gabi und Daniela stehen auf dem Oberdeck und winken zurück.

Die Superfast VI, mit Willi, Gabi und Daniela an Bord, legt ab

Kurze Zeit später legt auch die Elli T., mit 3 1/2 Stunden Verspätung, ab. Es wird bestimmt nichts passieren. Trotzdem sind wir froh, nicht an Bord dieses Seelenverkäufers der MyWay zu sein.

Direkt danach trifft unser Schiff, die Pasiphae Palace ein. Dies ist ein gigantisches Schiff der neuen Fährgeneration. Es wurde 1998 in Dienst gestellt.

Der Verladebereich der Fähre. Mehrere Rampen erlauben das gleichzeitige Ein- und Ausfahren mehrerer Fahrzeuge.

Um 22 Uhr beginnt das Boarding. Wir haben wieder außerordentliches Glück und bekommen einen der wenigen Plätze an den Außenluken. Von unserem großen Wohnbereichfenster haben wir direkten Blick aufs Meer. Dies entspricht einer der teuren Außenkabinen.

Unser Platz auf dem Campingdeck

Irgendwann nach Mitternacht legt das Schiff ab. Wir bekommen das aber überhaupt nicht mit, denn um 0 Uhr hat Uli Geburtstag und wir stoßen mit allerlei alkoholischen Mitbringseln auf ihn an. Jeder packt seinen Spezial-Ouzo aus und alle müssen probieren. Gegen 2 Uhr ziehen Annemarie uns ich uns vorsichtig aus der lustigen Runde zurück, die sich auf dem Campingdeck gebildet hat. Auf einem womöglich schaukelnden Schiff mit Vollrausch würde uns bestimmt eine unangenehme Nacht bescheren.

Uli, das Geburtstagskind

Unser Deck ist nur halb gefüllt. Das wird sich aber noch ändern, denn wir legen morgen früh in Igoumenitsa und Korfu noch zwei Zwischenstopps ein.

Mittwoch, 7. September 2005

Heute scheint wieder die Sonne vom blauen Himmel. Wie gestern schon, stehe ich lange vor dem Rest der Familie auf, um die ruhige Zeit zu nutzen, die gestrigen Erlebnisse aufzuschreiben. Heute ist der Tag des Einpackens. Allerdings ist der Aufwand bei uns nicht so groß, wie bei unseren Freunden, die allesamt ebenfalls morgen auf die Fähre müssen. Mit einem Wohnwagen und womöglich noch einem Boot hat man eben mehr einzupacken.

Der Campingplatz hat sich bereits spürbar geleert. Ab morgen wird er jedoch fast leer sein. Am Vormittag kommen Silvia und Harald zum Verabschieden bei uns vorbei. Ihre Fähre fährt einen Tag früher. Dabei lernen wir auch noch ihr neues Familienmitglied kennen, einen jungen Hund.

Ein halbes Jahr alt und aus guter Familie

Gemeinsam holen wir Willis Schlauchboot aus dem Wasser. Es muss gewaschen und dann auf dem Autodach befestigt werden. Dabei helfen wir Willi, so gut es geht.

Bewährte Transportmethode zum Waschplatz. Gabi sitzt im Kofferraum und hält das auf Rädern stehende Boot am vorderen Griff fest, während Willi zum Waschplatz fährt.

Am Abend sind alle, die morgen abreisen werden, fertig mit Einpacken. Lediglich ein paar Stühle wurden noch für das abendliche Beisammensein übrig gelassen. Gemeinsam gehen wir nochmals zu Nikos essen.

Marianne hat am Abend eine SMS erhalten, dass ihre schwangere Tochter mit beginnenden Wehen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Marianne ist den ganzen Abend damit beschäftigt, die frohe Kunde per SMS an Freunde und Verwandte weiter zu melden.

Danach treffen wir uns vor Andreas' Wohnmobil, um den letzten Abend zusammen zu verbringen. Wir unterhalten und gegen Mitternacht packt Hubert nochmals seine Gitarre aus, und wir singen ein paar Lieder.

Hubert spielt phantastisch Gitarre. Deshalb genießen wir die Abende mit seiner musikalischen Begleitung.

Die Gespräche des Abends drehen sich immer wieder darum, ob Marianne morgen Oma wird, oder nicht. Eigentlich hätten Marianne und Friedel noch eine Woche Urlaub. Unter den neuen Umständen werden auch sie schnellstmöglich nach Hause fahren.

Dienstag, 6. September 2005

Am Morgen, als ich mich leise vor dem Rest der Familie aus dem Wohnmobil schleiche, scheint noch die Sonne. Ich setze mich mit dem Notebook an den Tisch und schreibe die gestrigen Erlebnisse nieder. In der Ferne hört man leises Donnergrollen. Ein Blick zum Himmel bestätigt: Von Westen nähert sich eine dunkle Gewitterfront. Wenig später ist sie über uns, es beginnt zu regnen. Inzwischen ist auch der Rest der Familie wach. Gemeinsam räumen wir schnell weg, was nicht unbedingt nass werden soll und frühstücken dann im Schutze der Markise. Eigentlich ist so ein Regenguss mit Blick aufs Meer ganz gemütlich.

Leider ist der Regen nicht so ausgiebig, dass alles sauber wird – das Gegenteil ist der Fall. Alles was dem Regen ausgesetzt war, ist hinterher mehr verdreckt als vorher. Willi kommt vorbei und fragt, ob ich beim Boule mitspielen wolle. Einige der Frauen, darunter auch Annemarie fahren in der Zwischenzeit nach Methoni um Fleisch zu holen. Man munkelt, dass es heute Abend nochmals Schnitzel mit Kartoffelsalat für die ganze Truppe geben soll…

Als wir gegen Mittag unser Boulespiel beenden, sind die Frauen immer noch nicht zurück. Ich fahre mit den Kindern auf dem Fahrrad nach Finikounda, um ein paar Bonbons einzukaufen. Als wir zurück kommen, ist Annemarie auch wieder da.

Letzter Besuch im Hafen von Finikounda für dieses Jahr

Die Kinder und ich spielen Wasserball und als Willi mit Daniela einen kleinen Motorbootausflug zu einem Kieselstrand unternehmen möchte, dürfen Sarah und ich auch mitfahren. Als wir zurück kommen, befindet sich vor unserem Wohnmobil bereits eine Großküche. Annemarie und Gabi bereiten Schnitzel für ca. 20 Personen vor.

Schnitzelküche

Ich beginne damit, die Surfbretter zu waschen und auf dem Wohnmobildach zu befestigen. Das ist die schwerste Tätigkeit des Einpackens. Der Rest ist schnell erledigt.

Die Vorbereitungen für das abendliche Festmahl nehmen den ganzen Nachmittag in Anspruch. Am Abend bauen wir unter der weihnachtlichen Lichterkette von Hubert eine lange Tafel auf.

Die festliche Tafel

Annemarie brät in der Zwischenzeit in einem fort Schnitzel. Obwohl ich meine Zweifel hatte, gelingt es ihr tatsächlich 17 Personen mit einer Pfanne mit Schnitzel zu versorgen. Dazu gibt es verschiedene Salate.

Annemarie in ihrem Element

Allen schmeckts

Man amüsiert sich

Erst kurz vor Mitternacht geben die Kleinsten ihre Müdigkeit zu

Andrea dekoriert Huberts Lichterkette mit ein paar Girlanden

Es ist ein schöner Abend mit viel Gelächter, der erst weit nach Mitternacht endet.

Montag, 5. September 2005

Heute scheint wieder die Sonne. Am Vormittag möchte Willi noch einmal zur Insel hinüber fahren. Er fragt mich und Andrea, ob wir mitfahren. Natürlich sind wir dabei.

Willi schlägt vor, die Ostseite der Insel zu erkunden. Dort soll es eine verlassene militärische Station geben. Außerdem müssten dort ehemalige Ziele für Luftangriffe zu finden sein. Schließlich diente das Areal der griechischen Luftwaffe früher als Angriffsziel.

Sicherheitshalber packe ich meine Taschenlampe ein. Am späten Vormittag fahren wir los. Diesmal führt unsere Route im Uhrzeigersinn um die Insel. Die Ostküste wird von einem Wachturm dominiert. Direkt daneben steht ein Hubschrauber. So verlassen sieht die Militärstation, falls es wirklich eine ist, nicht aus. In einer Bucht gibt es sogar einen Anlegesteg und eine kleine Strasse, die wahrscheinlich zur Militärstation hinauf führt. Eine weiße Tafel steht neben dem Anlegesteg. Wir fahren so nahe heran, dass wir lesen können, was darauf steht: "Verbotenes Gebiet – Fotografieren verboten". Fotografieren kann ich ohnehin nicht, denn während unserer Schlauchbootfahrten habe ich die Digicam wassergeschützt verpackt.

Wir fahren weiter um die Insel. Der Wachturm hat eine strategisch günstige Position und kann die ganze Ostküste der Insel überblicken. Wir werden sicher mit mehreren Ferngläsern beobachtet. Vielleicht stimmt das Gerücht überhaupt nicht, dass das Militär seit diesem Jahr abgezogen ist und die Insel frei begehbar ist. Den Schildern nach ist das Betreten jedenfalls immer noch verboten.

Auf der Südseite der Insel befindet sich eine große Bucht. Jetzt sind wir außerhalb des Sichtbereiches der Militärstation. Im Scherz sage ich noch zu Willi, dass die Soldaten jetzt bestimmt in ihrer Hubschrauber steigen, um uns weiter zu beobachten, als der Hubschrauber auch schon im Tiefflug über den Berg kommt und einen Kreis um uns zieht. Wir begraben den Plan, in der Bucht an Land zu gehen und setzen die Umrundung der Insel fort. Der Hubschrauber verschwindet hinter einem Hügel.

Auf der Westseite der Insel erreichen wir das Tal, in welchem sich die Höhle befindet. Willi möchte hier anlegen, um Andrea die Höhle zu zeigen. Und so legen wir wieder einmal abenteuerlich an, bringen unsere Expeditionsausrüstung an Land und machen uns auf den Weg zur Höhle.

Willi und Andrea beim Aufstieg zur Höhle

Für Andrea ist der Aufstieg beschwerlich, aber sehr langsam und mit vereinten Kräften schaffen wir es zur Höhle. Dort stellt sich allerdings heraus, dass Andrea nur eine Sonnenbrille dabei hat und ohne Brille nicht so viel sieht. Außerdem haben wir nur zwei Taschenlampen. Deshalb beschränken wir uns auf die Besichtigung der ersten Halle. Andrea ist genau so begeistert wie wir und freut sich sehr, dass sie die Gelegenheit bekommen hat, selbst in die Höhle zu gehen.

Ich habe ja schon das meiste in der Höhle fotografiert, deshalb beschränke ich mich heute auf einige Aufnahmen, die ich das letzte Mal noch nicht gemacht habe, zum Beispiel Nahaufnahmen von den bizarren Oberflächenstrukturen der Tropfsteine.

Brokkoli

Kleine Terrassen, untereinander angeordnet

Kleine Kalkterrassen

Hängeohren

Am Nachmittag kehren wir zu unserem Strand zurück. Annemarie hat vor unserem Wohnmobil eine Schmuckwerkstatt erreichtet und so flüchte ich nach dem Abduschen gleich zu Willi, wo wir zusammen mit Andrea ein Bierchen trinken und unser Abenteuer nachbesprechen.

Am Abend gehen wir alle zusammen nach Finikounda zum "Gockel-Jannis". Einmal im Urlaub muss man angeblich dort gewesen sein, denn seine Kotopolo (Hähnchen) sind besonders gut.

Sonntag, 4. September 2005

Heute ist es bewölkt. In der Nacht gab es Wetterleuchten und einige Gewitter sind wohl auch im Umland nieder gegangen. Uns haben nur ein paar vereinzelte Regentropfen erreicht.

Heute ist der Himmel bedeckt. In Finikounda und auch auf den Inseln regnet es. Unser Strand bleibt allerdings verschont.

Der heutige Tag läuft irgendwie anders. Bedingt durch das Wetter tun sich die Männer und Frauen der ersten Reihe zu Grüppchen zusammen und unternehmen gemeinsam etwas. Die Frauen wandern nach Finikounda zum shoppen, wir Männer spielen den ganzen Nachmittag Boule.

Aufbruch der Frauen nach Fini

Heute ist für einige unserer Freunde der Tag der Abreise. Klaus und Jürgen brechen Richtung Heimat auf.

Abschied von Jürgen

Am späten Nachmittag fahren Willi, Hubert, Fabian und ich mit Willis Boot zur Insel Sapienza. Willi möchte uns den Leuchtturm zeigen. Die Aussicht soll von dort sehr schön sein. Das Meer ist heute besonders glatt und da bietet sich so eine Tour an. Willi kann seinen Motor bis zur Höchstgeschwindigkeit aufdrehen.

Die Anlegestelle auf der Insel Sapienza

Auf der Insel muss es heute sehr viel geregnet haben. Der Boden ist nass und in Steinvertiefungen steht das Wasser.

Willi und Fabian beim Aufstieg zum Leuchtturm

Wir beeilen uns mit dem Aufstieg, um den Sonnenuntergang nicht zu verpassen. Dieser sieht von dort oben bestimmt besonders schön aus. Leider wird daraus nichts, denn eine Wolke verschluckt die Sonne, bevor sie das Meer erreicht.

Blick vom Leuchtturm Richtung Süden

Trotzdem genießen wir den Ausblick. Fabian genießt diesen Männerausflug besonders.

Der Leuchtturm

Jetzt müssen wir aber schnell zum Boot zurück kehren. Es wird bald dunkel.

Willi und Hubert auf dem Rückweg zum Boot

In der anbrechenden Dunkelheit erreichen wir den Strand. Wie erwartet, befinden sich unsere Frauen wieder in heller Aufregung. Sie stehen schon seit geraumer Zeit am Strand uns halten Ausschau nach uns. Wir nehmen die Strafpredigt gelassen entgegen.

Annemarie hat heute ein ganz besonderes Abendessen vorbereitet. Es gibt Schnitzel und Kartoffelsalat, eine absolut ungriechische Mahlzeit. Nach so viel Souvlaki, Tsatsiki Horiatiki und so weiter ist dies eine willkommene Abwechslung. Gabi, Daniela und Willi sind ebenfalls dazu eingeladen.

Später am Abend schauen wir uns in der Bar des Campingplatzes das Rededuell Merkel gegen Schröder an. Viele Deutsche sind heute Abend hier versammelt, um sich anzuhören, was die beiden für Vorstellungen von der künftigen Politik haben. Schließlich ist eine Woche nach unserer Rückkehr in der Heimat die vorgezogene Bundestagswahl und der Wahlkampf mit all seinen Regierungsprogrammspekulationen ist vollständig an uns vorüber gegangen.

Samstag, 3. September 2005

Pünktlich um 9:00 Uhr treffen sich die Mitglieder des Anemomilos-Abenteurer-Dreamteams, Daniela, Willi, Wolfi und ich an der Anlegestelle von Willis Expeditionsschiff am Strand. Diesmal haben wir unsere Ausrüstung perfektioniert. Schließlich wissen wir bereits, was uns erwartet. Wir haben mehr Wasser und zusätzlich einen Rucksack dabei.

Nachdem wir alles verstaut haben, fahren wir mit dem Boot zur Taverne des alten Mannes, der uns den Höhleneingang zeigen möchte. Dort stehen wir einige Zeit wie bestellt und nicht abgeholt herum. Griechische Uhren gehen einfach anders.

Als der Tavernenbesitzer schließlich eintrifft, gibt er uns zu verstehen, dass er nicht mit uns hinüber zur Insel fahre. Das Boot sei ihm zu klein, er wolle nicht nass werden und es gäbe am Vormittag starken Wind. In mir keimt der Verdacht, dass diese Ausrede nicht spontan entstanden ist. Richtige Abenteurer lassen sich von so etwas jedoch nicht entmutigen. Wir fahren zurück zum Campingplatz um die touristische Karte von Finikounda zu holen. Damit kehren wir zur Taverne zurück und nehmen den Mann zu dritt in die Mangel. Wir wollen wissen, wo sich der Eingang der Höhle befindet. Zumindest, in welchem Tal. Er beschreibt uns die Stelle so gut es geht und bleibt trotzdem sehr vage. Seinem Gesichtsaudruck ist abzulesen, welche Erfolgsaussichten er unserer Expedition einräumt.

Das Meer ist noch glatt und so kann Willi richtig Gas geben. 42 km/h Spitzengeschwindigkeit erreicht das Boot. Die Suche nach einer Anlegestelle erweist sich als schwierig. Die Felsen sind im Bereich der neuen Anlegestelle sehr scharfkantig und spitz. Eine einzige Berührung würde das Schlauchboot aufschlitzen. Mit vereinten Kräften und den bereits beim letzten Versuch vor zwei Tagen gewonnen Erfahrungen gelingt es uns, unbeschadet an Land zu gehen und das Boot sicher zu vertäuen. Nachdem wir unser Gepäck an Land gebracht haben und wir das Basislager 1 direkt an der Anlegestelle eingerichtet haben, beginnt der Aufstieg. Am Fuße des Tales legen wir das Basislager 2 ein. Hier lässt Willi die eisgekühlten Trinkwasservorräte zurück. Danach teilen wir uns auf. Wir werden in unterschiedlichen Höhen gehen. Ich übernehme die oberste Strecke, Wolfi läuft auf halber Höhe des Abhangs und Willi übernimmt mit Daniela den Aufstieg im ausgetrockneten Flussbett des Tales. Die Kletterei ist ziemlich anstrengend. Wir finden zahlreiche Stellen, die so aussehen, als könnte sich dort ein Höhleneingang befinden. Nach anstrengendem Aufstieg erweisen sie sich stets als Niete.

Aufstieg in sengender Hitze in unwirtlichem Gebiet

Wir sind schon recht weit ins Landesinnere vorgedrungen, als Wolfi uns zuruft, wir sollen einen Augenblick warten, er müsse etwas überprüfen. Kurze Zeit später kommt tatsächlich die Erfolgsmeldung: "Ich habe den Eingang gefunden!" Nachdem wir uns am Eingang versammelt und die Taschenlampen ausgepackt haben, betreten wir mit offenem Mund staunend eine Unterwelt, deren Existenz in dieser kahlen Landschaft für uns ein echtes Wunder ist. Bedingt durch die Tatsache, dass die Insel viele Jahrzehnte militärisches Sperrgebiet war, wurde die Höhle bis jetzt auch fast nicht besucht. Es scheint ohnehin nicht viele Menschen zu geben, die von ihrer Existenz wissen. Wir machen viele Fotos, mit welchen wir den Zurückgebliebenen die Eindrücke weitergeben können.

Es ist ein echtes Abenteuer, dass wir erleben dürfen. Man spürt, dass die Atemluft knapp ist, indem man bei der kleinsten körperlichen Anstrengung stark atmen muss. Uns rinnt der Schweiß in Strömen und die Gefahr, auszurutschen oder sich zu verlaufen, ist auch nicht von der Hand zu weisen.

Nach Ausgiebiger Besichtigung der mehrere Hallen großen Höhle kehren wir unter einiger Kletterei zu Willis Boot zurück. Das Meer ist inzwischen ziemlich aufgewühlt. Das an Bord gehen und das Ablegemanöver erfordert große Kraftanstrengung und Vorsicht von uns. Eine einzige Berührung der Felsen würde das Boot aufschlitzen und uns zu Schiffbrüchigen machen. Aber wir kommen unbeschadet weg und nach einem wilden Rodeoritt über die Wellen erreichen wir unseren Strand, wo sich die Neuigkeit unserer erfolgreichen Mission schnell herumspricht.

Ankunft an unserem Strand

Erster Bericht und Sichtung der Fotos

Am Abend zeigen wir die Bilder in größerer Runde. Das Erstaunen ist groß. Schließlich ist die Tatsache, dass so ein Wunder der Natur so nahe liegt, eine kleine Sensation. Manche kommen schon seit Jahrzehnten nach Finikounda und wussten nichts von der Höhle. Leider birgt die Höhle auch eine Gefahr. Sie soll, Gerüchten zufolge, touristisch erschlossen werden. Damit könnte die Insel und Finikounda zu einem zweiten Pirgos Dirou und zu einem Magnet für Massentourismus werden. Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt.

Ich möchte an dieser Stelle auch eine Warnung loswerden: Wir haben mit eigenen Augen einige Schlangen auf der Insel gesehen. Griechen, denen wir von unserem Abenteuer erzählten, sagten, dass die Insel wegen der vielen Schlangen sehr gefährlich sei. Es hätte schon einige Todesopfer gegeben.

Eigentlich ist heute unser letzter Tag hier. Morgen wollen wir eigentlich aufbrechen und Richtung Patras fahren. Am Montag geht unsere Fähre. Uns gefällt es aber im Augenblick so gut hier, dass wir am Nachmittag mit Hilfe von Christos, dem Campingplatzbesitzer, telefonisch eine Umbuchung der Fähre vornehmen. Jetzt können wir noch ein paar Tage bleiben. Neuer Fährtermin: Donnerstag um 17 Uhr.

Es warten noch weitere Abenteuer auf die Abenteurer von Anemomilos. Es soll einen Süßwassersee auf der Insel geben…

Freitag, 2. September 2005

Heute gibt s nicht viel zu erzählen. Am Nachmittag gehe ich mit Willi in die besagte Taverne auf ein Bier. Wir interviewen den alten Tavernenbesitzer zu der Höhle. Ja, er sei schon einmal dort gewesen, aber er könne den Eingang nicht beschreiben. Er sei zu schwer zu finden. Nach einigem Nachdenken bietet er uns an, morgen früh um 9:00 Uhr mit uns zur Insel hinüber zu fahren. Er würde uns den Eingang zur Höhle zeigen, müsse aber gleich darauf wieder zurück. Wir danken ihm vielmals und verabreden uns für morgen, 9:00 Uhr. Wolfi und Daniela werden auch wieder mit von der Partie sein.