Griechenland 2004

Ein paar grundsätzliche Bemerkungen zu diesem Reisebericht:

Eigentlich wollte ich dieses Jahr überhaupt nicht schreiben. Ich war einfach zu faul. Gegen Ende des Urlaubs raffte ich mich dann aber doch auf. Nur was man aufschreibt, bleibt in Erinnerung. Außerdem gibt es gewisse Erwartungen zu erfüllen. Ich weiß das sehr wohl.

Bei der Rekonstruktion der Ereignisse kam mir die Streckenaufzeichnung unseres GPS Gerätes sehr zu Hilfe. Außerdem belegen die gemachten Fotos und Videoaufzeichnungen sehr genau mit Datum und Uhrzeit, was wann geschah.

In diesem Urlaub hatten wir zum ersten Mal ein GPS Gerät dabei. Auf den meisten Touren lief das Gerät mit und zeichnete einen Track auf. Bei wichtigen Punkten unserer Reise gebe ich die GPS Koordinaten im Reisebericht in Klammern an. Mit deren Hilfe kann man die Stationen unserer Reise besser nachvollziehen.

Die Trackdatei mit einer großen Anzahl von Wegpunkten kann hier herunter geladen werden.

Abreise

Als wir am Samstag, den 31. Juli gegen 16 Uhr von zu Hause aufbrachen, stand unser Reiseziel noch in keiner Weise fest. Allerdings hatten wir uns übereinstimmend auf einige Bedingungen für den bevorstehenden Urlaub geeinigt: es sollte warm sein und das Meer sollte mit angenehmen Temperaturen zum Baden einladen. Damit schied der Norden schon einmal aus. Eigentlich hatten wir einige Zeit mit Schweden oder Norwegen geliebäugelt, aber aufgrund des extrem kalten Sommers in Deutschland und der späten Sommerferien verwarfen wir diese Pläne wieder. In meiner Phantasie erschien immer wieder Bilder des Strandes von Posada auf Sardinien oder des Strandes von Otranto in Süditalien, an dem wird im letzten Jahr einige Tage verbracht hatten. Die grobe Fahrtrichtung war damit vorgegeben, wir fuhren zunächst über die Schweiz Richtung Italien – die gleiche Tour wie in jedem Jahr.

Griechenland als Reiseziel wäre zwar mein Traum gewesen, aber schon die Recherchen im Vorfeld des Urlaubs ergaben, dass vieles dafür sprach, dieses Jahr nicht dorthin zu fahren: Erstens sollten die griechischen Fährgesellschaften, Gerüchten zufolge, kein Camping an Bord mehr anbieten, was so zwar nicht ganz korrekt ist. Richtig ist jedoch, dass die Sicherheitsbestimmungen drastisch erhöht wurden, und nur noch ein minimales Kontingent an Plätzen für Camping an Bord zur Verfügung steht. Auf den Internetseiten der Fährgesellschaften kann man näheres dazu erfahren. Langfristige Buchung der wenigen Plätze sei erforderlich – natürlich hatten wir nichts gebucht. Zum Zweiten ergaben meine Berechnungen einen astronomischen Preis für die Überfahrt. Diesen Preis zahlten wir vor drei Jahren für die Fährpassage in die Türkei. Übereinstimmend waren Annemarie und ich nicht bereit, so viel Geld nur für die Fähre nach Griechenland auszugeben. Der dritte Grund, nicht nach Griechenland zu reisen, bestand in der Tatsache, dass in diesem Sommer die Olympischen Sommerspiele in Athen stattfanden und wir annahmen, dass sich dies auf den griechischen Tourismus negativ auswirken könnte. Wir rechneten mit überzogenen Preisen, überlaufenen Campingplätzen und anderen negativen Auswirkungen. Als letztes Argument war uns mehrfach zu Ohren gekommen, dass es in Griechenland nicht mehr geduldet würde, frei zu stehen. Als Alternative hatte ich mir von einem Kollegen Literatur über Korsika ausgeliehen. Diese Insel fehlt uns bis heute noch auf der Liste der bereisten Ziele.

Am ersten Tag erreichten wir den Rasthof Gottardo Süd (N46 30.903 E8 40.005). Der von uns befürchtete und im Radio für dieses Wochenende prophezeite Superstau am Gotthardtunnel war nicht vorhanden. Wir konnten, ohne anzuhalten, in den Tunnel einfahren. Deshalb gönnten wir uns am anderen Ende die verdiente Nachtruhe. Am nächsten Tag ging die Tour über Como, Milano, Piacenza und Modena an die italienische Adriaküste. Die nächste Übernachtung fand auf einem Autobahnrastplatz bei Tortoreto (N42 48.301 E13 55.654) statt. Hier konnte man das Meer zwar schon sehen, aber immer noch nicht baden, was zu lautstarkem Protest seitens der Kinder führte.

Gargano

Um die erhitzten Gemüter unserer Kinder nach zwei Tagen im Wohnmobil abzukühlen, wählten wir als erstes Reiseziel den Gargano aus. Dort wollten wir einige Tage verweilen. Eigentlich visierten wir Vieste an, als wir von Norden her auf den Gargano fuhren. Aber bereits kurz nach Lesina fanden wir einen Platz (N4155.638 E1537.073), an dem wir das Wohnmobil am Strand abstellen konnten, um ins Meer zu springen. Hier gab es auch einen kostenfreien Parkplatz für Wohnmobile, auf dem wir übernachten konnten.

Für italienische Verhältnisse ein lauschiges Plätzchen. Zum zugehörigen Strand musste man zwar ein paar Schritte laufen, aber für den Anfang, zum Erholen, war es hier nicht schlecht.

Am nächsten Tag setzten wir die Fahrt fort. Die Parkplatzidylle war nicht so ganz nach unserem Geschmack. Deshalb kamen wir überein, einen Campingplatz zu suchen, auf dem wir uns etwas ausbreiten konnten. Wir kamen an dem Campingplatz 5 Stelle vorbei, den wir besichtigten und auf dem wir einen schönen Platz unter Bäumen fanden, sodass wir hier blieben (N41 54.754 E15 43.752).

So war es besser. Wir konnten uns etwas ausbreiten und von der Fahrt erholen. Die Kinder erkundeten sofort den Platz mit ihren Fahrrädern.

Als Abends die lautstarke Animation begann, die es wohl auf jedem italienischen Campingplatz gibt, machten wir aus der Not eine Tugend und gingen ebenfalls in die Disco. Besonders Sarah genoss diesen Abend. Nach Überwindung anfänglicher Hemmungen tanzte sie fast den ganzen Abend. Gegen 1 Uhr Nachts gingen wir zu Bett. Unsere Kinder hatten die ganze Zeit durchgehalten.

Santa Lucia

Einen weiteren Tag wollten wir nicht auf diesem Campingplatz bleiben, denn der Weg zum Strand war sehr weit und es musste eine viel befahrene Straße überquert werden. Deshalb dachten wir, es wäre besser, doch Richtung Vieste zu fahren, um dort vielleicht einen Platz auf dem Platz Adriatico zu ergattern, auf dem wir letztes Jahr eine schöne Woche zusammen mit der Familie Fritz (www.w-fritz.de) verbracht hatten. Leider stellte sich dies aber mitten in der Hauptsaison als unmöglich heraus. Neben der Tatsache, dass man überhaupt nur einen Platz erhält, wenn man sich verpflichtet, mindestens eine Woche zu bleiben, schreckten uns auch die Preise ab. Über 50 Euro für eine Nacht zu bezahlen, waren wir nicht bereit. Deshalb fuhren wir weiter. Wir fragten noch bei einigen anderen Campingplätzen im Süden des Garganos nach, aber die Auskünfte waren überall die gleichen. Wir verließen den Gargano Richtung Süden. Nach einer weiteren längeren Etappe übernachteten wir wenige Kilometer nach Torre Canne am Ende einer Stichstraße direkt am Meer (N4049.200E1729.894). Direkt nebenan befand sich ein Sosta Camper, der sich aber am nächsten Morgen, nach Besichtigung des verschmutzten Strandes, nicht als lohnenswerter Aufenthaltsort für die nächsten Tage herausstellte.

Wir fuhren also langsam weiter Richtung Süden. Wenige Kilometer weiter, bei Monticelli, fanden wir eine schöne Badebucht (N40 47.765 E17 34.146) in der wir uns abkühlen konnten.

Das Wasser war sehr klar und angenehm warm. Als Abkühlung zwischendurch sehr schön. Länger konnte man es hier jedoch nicht aushalten, denn außer dem schmalen und überbevölkerten Sandsstrand gab es nur schroffe Felsen. Außerdem waren in Strandnähe unangenehme Steine im Wasser. Erst im etwas tieferen Wasser wichen die Steine feinem Sand.

Hier hatten wir 2001 auf dem Weg in die Türkei bereits einmal Station gemacht. Deshalb wussten wir auch, dass es unweit von hier, die Möglichkeit gibt, direkt am Meer zu stehen und auch zu übernachten. Nach ausgiebigem Bad setzten wir also die Fahrt Richtung Villanova fort.

Wir fanden einen schönen Platz (N4047.187E1736.581), direkt am Meer, neben einigen italienischen Wohnmobilen. Hier ließ es sich aushalten.

Fabian hatte sich einen Platten eingefahren. An diesem Platz gab es überall unangenehm spitze Dornen. Wenn man darauf Vollbremsungen übte, wie Fabian es tat, musste Papa anschließend zum Werkzeug greifen.

Sogar einen kleinen Sandstrand gab es, wenn auch das Meer selbst recht felsig war und nicht so recht zum Baden einlud.

Der Stadtstrand von Villanova war mit dem Fahrrad zu erreichen. Hier konnte man angenehm baden und der Strand verfügte über weichen Sand, auch im Wasser. Außerdem gab es hier eine Stranddusche. Allerdings waren auch sehr viele Badegäste hier.

Wir verbrachten einen schönen Tag hier. Am Freitagabend, den 6. August, bekam ich jedoch einen Rappel. Wir hatten noch fünf Wochen Urlaub vor uns und ich wünschte mir etwas anderes, als die italienischen Strände, die entweder total unattraktiv oder vollständig verbaut und touristisch vermarktet sind. Deshalb setzte ich mich gegen Annemarie mit meinem Vorschlag durch, zum Hafen Brindisi zu fahren, um die Preise und Abfahrtszeiten für eine Fähre nach Griechenland zu erfragen. Annemarie war im ersten Augenblick, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, nicht begeistert. Im weiteren Verlauf unserer Reise änderte sich das jedoch.

Griechenland

Wir fuhren also nach Brindisi, das nur noch 30 Kilometer entfernt war. Bereits kurz nach Abfahrt von der Schnellstraße Bari-Brindisi fanden wir ein Ticketbüro (N4037.432 E1757.463), an dem wir anhielten, um uns zu erkundigen. Der Rest ist schnell erzählt. Für 395,- Euro erstanden wir ein Ticket von Brindisi nach Igoumenitsa auf einem Schiff der Agoudimos Lines, das am nächsten Vormittag fahren sollte. Ein Junge mit Motorroller brachte uns zum Hafen (N4038.778 E1757.652) und checkte uns sogar ein. Wir durften im Hafen übernachten. In der Vorfreude auf Griechenland legten wir uns ins Bett.

Im Hafen von Brindisi lernten wir Friedhelm kennen. Besonders sein weißer Bordercollie Bazi hatte es unseren Kindern angetan.

Am nächsten Tag reihten wir uns morgens in die Warteschlange vor dem Kai ein.

Warten auf das Eintreffen der Fähre…

Im Laufe des Vormittags traf das Schiff ein, wir befuhren das Campingdeck und gegen 14 Uhr legten wir endlich ab. Die Überfahrt verlief ohne bemerkenswerte Zwischenfälle. Es waren sehr viele Jugendliche an Bord, die mit dem Rucksack unterwegs waren. Da die Überfahrt nur etwa 8 Stunden dauerte, war die Wartezeit nicht allzu lang. Wir hatten einen guten Platz an einer der Außenluken. Während der Überfahrt konnte ich die magnetische GPS-Antenne an der Außenseite des Schiffes anbringen, sodass ich während der Fahrt auf dem GPS-Gerär verfolgen konnte, wo wir uns gerade befinden und wie schnell das Schiff fährt. Die Reisegeschwindigkeit des Schiffes betrug 37 km/h. Kurz vor Mitternacht legten wir in Igoumenitsa (N3929.281 E2015.383) an. Auf der Suche nach einem Schlafplatz fuhren wir noch bis Parga, wo wir in der Dunkelheit einen Schlafplatz suchten und fanden (N39 17.197 E20 23.270).

Paleros

Am nächsten Morgen verließen wir Parga Richtung Süden und fuhren Richtung Peloponnes.

Am ersten Strand, den wir von der Straße aus sahen, hielten wir, um uns in die Fluten zu stürzen.

Die Meerenge von Preveza musste man früher mit der Fähre überqueren. Inzwischen gibt es hier ein Wunderwerk der Ingenieurskunst: einen Tunnel, der unter dem Meer hindurch führt. Zwar ist dies keine Besonderheit mehr; derartige Tunnel gibt es schon einige, trotzdem ist dieser Tunnel für uns etwas Besonderes. 8€ Maut kostet das Vergnügen, unter dem Meer hindurch zu fahren.

In Paleros gab es früher einen schönen Stellplatz direkt am Meer, das wussten wir noch von unserer Griechenlandreise 1999. Wir schauten dort vorbei und fanden ihn immer noch frei und von einigen Wohnmobilen besucht (N38 47.808 E20 51.544). Deshalb blieben wir einen Tag hier, um zu baden. Das Meer ist hier äußerst angenehm und der Strand nicht mit italienischen Stränden zu vergleichen.

Am weiten Strand von Paleros verloren sich die Badegäste. Von den deutschen Urlaubern mit dem LT links erfuhren wir, dass sie schon einige Tage unbehelligt hier standen. Ich vermute, dass Paleros sich über jeden Touristen freut, der ein paar Tage hier verbringt, auch wenn er 'nur' mit seinem Wohnmobil irgendwo am Strand steht. Sicher ist, dass das griechische Festland wesentlich weniger Besucher anzieht, wie z.B. die Peloponnes. Und das, obwohl es auch hier herrliche Plätze gibt.

Wir genossen unseren ersten Urlaubstag in Griechenland und auch Annemarie war froh darüber, dass ich mich mit meinem überraschenden Entschluss, doch nach Griechenland zu fahren, durchgesetzt hatte.

Eine glückliche Badenixe.

Sarah freundete sich sofort mit dem drei Jahre älteren Mädchen der Familie aus dem LT an.

Nicht nur bei uns, auch in anderen Familien scheint der Gameboy das wichtigste Utensil im Urlaub zu sein. Es war faszinierend zu beobachten, wie zwei, drei oder sogar vier Kinder um einen Tisch herum saßen und kein Wort redeten. Jeder hatte seinen (meist gelben) Gameboy, mehr oder weniger verkrampft in der Hand, und war voll in das Spiel vertieft. Hin und wieder waren ein paar unflätige Schimpfworte zu hören (meist von Fabian). Sonst hörte man nur hektisches Klicken.

Aginara

Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Süden. In Mesolongi (N3822.548 E2125.852) kauften wir ein und füllten unsere Vorräte mit den ersten griechischen Leckereien, die uns schon so lange gefehlt hatten. Die neue Brücke von Rio, die auf die Peloponnes führt, war leider noch nicht eröffnet, deshalb mussten wir nochmals die Fähre nehmen.

Erster Blick auf das imposante Bauwerk, dessen Bau wir seit 1999 beobachten konnten.

Vielleicht hatten wir so einen noch besseren Blick auf das imposante Bauwerk, welches in vier Bögen den Golf von Patras überspannt.

So sieht man die Brücke von der Fähre in Antirio aus. In einem eleganten Bogen überspannt sie den Golf.

Als erstes Ziel auf der Peloponnes visierten wir den Campingplatz Aginara Beach (N3750.302 E2107.793) bei Kilini im Nordwesten der Peloponnes an. Hier waren wir schon einige Male und so beschlossen wir, die nächsten Tage hier zu verbringen.

Beim Auspacken auf unserem Stellplatz.

Der Platz ist sehr gepflegt. Die Parzellen sind etwas klein und ein Mobil wie unseres schaut etwas in den Weg hinaus. Viele der Besucher kommen jedes Jahr hier her. Man kennt sich und bildet eine eingeschworene Gemeinschaft. Auf diesem Campingplatz gibt es keine Stellplätze am Meer. Die Plätze direkt am Strand sind den Bungalows vorbehalten, die dort gebaut wurden und gleichzeitig einen Schutz für den Campingplatz bilden. Deshalb ist der Strand auch nachts von Sonnenschirmen gespickt. Jeder der Stammgäste hat sich seinen Claim in der ersten Reihe des Strandes abgesteckt. Das ist aber weiter nicht schlimm. Neue Gäste, Außenseiter wie wir finden genügend Platz, links oder rechts des Hauptfeldes.

Blick auf den Strand.

Der Strand war sauber aber recht klein. Das Wasser war überraschend kalt. Das soll nicht jeden Tag so sein, wurde uns gesagt, aber es gäbe Strömungen im Meer, die kaltes Wasser heranführten und manchmal sei die Strömung eben so stark, dass das Wasser eben kalt sei. Ich persönlich fand das Meer zum Baden zu kalt und verlegte mich aufs Surfen. Dieses Jahr hatte ich seit langem meine Ausrüstung mal wieder mitgenommen und natürlich brannte ich jetzt darauf, auszuprobieren, ob ich mich noch auf dem Brett halten konnte. Ich konnte – wenn auch der Wind etwas zu wünschen übrig lies.

Es klappte noch ganz gut. Jedenfalls hatten die Zuschauer am Strand keinen Grund zum Lachen.

Zwischendurch besuchte ich die bekannten Freisteherparadiese am Golden Beach mit dem Motorroller. Nach all den Gerüchten, dass man in Griechenland nicht mehr außerhalb von Campingplätzen übernachten dürfe, wollte ich mich selbst überzeugen, ob die beiden mir bekannten Plätze leer waren. Sie waren es nicht. Der Platz links vom Club Robinson (N3752.468 E2106.454) war fest in der Hand der Italiener und der andere Platz, rechts des Clubs (N3753.389 E2106.731), ich nannte ihn Kantinabeach (heute weiß ich, dass der Betreiber der Kantina Nakos heißt), beherbergte jede Menge deutscher Wohnmobile. Obwohl wir eigentlich notorische Freisteher sind, reizten mich die beiden Plätze im Augenblick nicht. Wir fühlten uns im Augenblick, zu Beginn dieses Urlaubs, auf unserem Campingplatz wohler. Dort hatten wir inzwischen so ziemlich alles aus unserem Mobil heraus geräumt, was auf einem Freisteherplatz einfach nicht möglich ist.

Abends, in der Taverne

Ach ja: auf unserem Campingplatz gab es eine Katzenmama mit drei süßen Babys. Die hatten es unseren Kindern angetan. Eigentlich hätte der Campingplatz auch irgendwo in den Bergen oder in der Wüste sein können. Die Abwesenheit des Meeres hätten die beiden wahrscheinlich überhaupt nicht bemerkt. Von früh bis Abends drehte sich alles nur um die Kätzchen. Sie bekamen Milch, verdünnt mit Wasser eingeflösst, wurden herum getragen, von Bäumen gerettet und was weiß ich noch alles. Nein, wir haben keine mitgenommen.

Auch auf diesem Platz fand Sarah sehr schnell eine neue Freundin. Fabian tat sich damit etwas schwerer. Zum einen gab es weniger Jungs, die im Alter zu Fabian passten, zum anderen akzeptierte Fabian aber auch keine jüngeren Kinder als Spielkamaraden.

Kourouta

Am Donnerstag, den 12. August beschlossen wir morgens, weiter zu fahren. Mehr oder weniger schnell waren unsere Siebensachen (es waren wohl ein paar Dinge mehr) zusammen gepackt und das Wohnmobil bereit zur Weiterfahrt. Die nette Empfangsdame vom Campingplatz war jetzt nicht mehr so nett wie bei unserer Ankunft. Wahrscheinlich sah sie nicht ein, dass wir ihren schönen Platz nach drei Tagen schon wieder verlassen wollen. Zur Strafe zahlten wir einen höheren Preis, als bei der Ankunft großzügig angeboten. Leider hatten wir nichts Schriftliches – aber das macht nichts. Es gibt noch andere schöne Campingplätze in dieser Gegend.

Einen davon erreichen wir schon nach wenigen Kilometern. Auf dem Campingplatz Kourouta (N3745.890 E2117.920) bei Amaliada standen wir das letzte Mal 1997. Damals war Fabian gerade 5 Wochen alt. Bei der Besichtigung des auffallend leeren Platzes stellten wir fest, dass ein wunderbarer Platz ganz vorne am Strand frei war. Wir überlegten nicht lange, sondern beschlossen, ein paar Tage zu bleiben.

Unser paradiesisches Plätzchen in Kourouta, ganz nah am Meer. In anderen Jahren hätte man so weit vorne keinen Platz bekommen.

Am Freitagabend gingen wir im Restaurant des Campingplatzes essen. Dass an diesem Tag die Eröffnungsfeier der olympischen Spiele stattfand, bemerkten wir erst, als in der Taverne der Fernseher aufgebaut wurde und die Feier unter großer Begeisterung seitens der anwesenden Griechen angeschaut wurde. Leider waren die erklärenden Kommentare auch griechisch und so beeilten wir uns, nach dem Essen in unserem Wohnmobil die SAT-Schüssel auszurichten, um die deutsche Übertragung im ZDF zu verfolgen. Und so saßen wir, nur knapp 200 km vom Austragungsort entfernt, bis spät in die Nacht vor dem Fernseher und verfolgten den Einmarsch der Athleten und die anschließenden Eröffnungszeremonien der Spiele. Wenn man Griechenland und seinen typischen Hang zum Improvisieren kennt, dann muss man dem, was hier auf die Beine gestellt wurde, besonderen Respekt zollen.

Früh übt sich, was einmal ein guter Surfer werden will!

Eigentlich ist so ein Gameboy eine geniale Erfindung um die Kinder in der Zeit der größten Mittagshitze aus der Sonne zu gekommen.

Gemeinsame Badefreuden…

Der Strand des Platzes. Die feststehenden Sonnenschirme, die zum Platz gehören, waren sehr praktisch. Man hatte keine Probleme, den eigenen Schirm windsicher im Sand zu befestigen.

Bei Amaliada gibt es einen Lidl (N3747.031 E2119.482). Hier kaufte ich mehrere Male ein. Im aktuellen Angebot gab es eine Angel. Am Samstag kaufte ich die Angel nebst einigem Zubehör. Dummerweise packte ich sie erst am Abend aus. Dabei stellte ich fest, dass die Kurbel der Spule fehlte. Zu dumm, dass der Lidl bereits geschlossen hatte, als ich dies feststellte und dass am nächsten Tag Sonntag war, denn eigentlich wollten wir am Sonntag weiter fahren. So verzögerte sich unser Aufbruch um einen Tag.

Ohne Worte…

Süden

Am Montag, den 16. August packten wir unser eigentlich schon seit Sonntag reisefertiges Wohnmobil vollends zusammen und brachen wieder Richtung Süden auf. Als grobes Ziel schwebte uns Finikounda vor, allerdings waren wir auch bereit, irgendwo auf der Strecke zu verweilen, wenn wir ein schönes Plätzchen finden sollten.

Zunächst führte uns der Weg aber nochmals nach Amaliada zum Lidl, wo ich die Spule meiner neu erworbenen Angel umtauschte. Danach setzten wir die Fahrt fort. Am Abzweig nach Kallithea befindet sich eine Spanferkelbraterei (N3734.934 E2135.995). Bei dieser legten wir eine ausgiebige Mittagspause ein. Allerdings waren die servierten Portionen eher spärlich. Später sollten wir auf dieser Reise noch bessere Portionen Spanferkel zu attraktiveren Preisen erhalten.

Auf der Suche nach unserem Aufenthaltsort für die nächsten Tage rollten wir auch durch den Wald von Elea (N3722.278 E2141.110 bis N3721.010 E2141.613), allerdings gefiel es uns hier nicht so, dass wir bleiben wollten. An der Einfahrt des Waldes standen Schilder, die darauf hinwiesen, dass freies Campen verboten sei. Trotzdem standen vorwiegend griechische Zelte und Wohnwagen überall im Wald verteilt. Deutsche, bzw. nichtgriechische Touristen sah man nur vereinzelt.

In Kiparissia füllten wir unsere Lebensmittelvorräte beim Atlantik Supermarkt (N3715.136 E2140.425) auf. Nicht alles kann man beim Lidl kaufen. Zum Beispiel Fleisch gibt es dort nicht.

Auf der Weiterfahrt schauten wir in Romanos (N3659.373 E2138.956) vorbei. Es ging uns primär darum, festzustellen, was an dem Gerücht, man könne in Griechenland nicht mehr frei stehen, wahr ist. Aber auch hier standen, wie früher, viele Wohnmobile auf den Klippen. Es waren so viele, dass für uns kein Platz mehr war.

Romanos ist in all den Jahren ein Freisteherparadies geblieben

Deshalb fuhren wir weiter Richtung Voidokilia (N3658.001 E2139.733). Diese traumhafte Bucht war früher noch ein beliebtes Wohnmobileldorado. Dass man hier nicht mehr frei stehen kann, war uns bereits seit Längerem bekannt. Wir wollten lediglich einmal in dieser schönen, an die Südsee erinnernden Lagune baden. Das Badevergnügen bezahlten wir mit etlichen Kratzern im Lack unseres Mobils, denn die Straße, falls man den Trampelpfad überhaupt Straße nennen kann, zwischen Romanos und der Ochsenbauchbucht ist sehr schmal und für ein Mobil unserer Größenordnung eigentlich nicht zu empfehlen.

Nach einer schönen Badepause war es schließlich an der Zeit, sich allmählich nach einem Schlafplatz umzusehen. Die Strecke führe uns nach Pilos, wo man bereits von weit oben den Hafen sehen konnte. Dort unten standen bereits einige Wohnmobile, sodass uns die Idee kam, ebenfalls in diesem Hafen (N3654.899 E2141.696) zu übernachten. Man könnte heute Abend gemütlich in einer der Tavernen am Hafen essen gehen und dann noch etwas durch die Stadt schlendern. Allerdings wurde daraus nichts, denn die Wohnmobile, die hier standen, fuhren, eins nach dem anderen, wieder weg. An einem der hier geparkten italienischen Mobile befand sich, hinter den Scheibenwischer geklemmt, ein Flugblatt der Polizei, auf dem zu lesen war, dass freies Stehen außerhalb von Campingplätzen verboten sei, bestraft würde u. s. w. Das Flugblatt wurde offensichtlich hier im Hafen verteilt, was uns dazu bewog, auf den Besuch einer hiesigen Taverne zu verzichten und sofort weiter zu fahren.

Statt durch Pilos, schlenderten wir an diesem Abend durch Methoni (N3649.078 E2142.481) und aßen hier eine Kleinigkeit. Allerdings wollten wir auch in diesem Ort nicht übernachten und so setzten wir die Fahrt zu später Stunde nochmals fort.

Am Finiki Beach (N3648.061 E2144.721) zwischen Methoni und Finikounda sahen wir einige italienische Wohnmobile und einen deutschen Campingbus auf dem Parkplatz einer Taverne stehen. Nachdem wir uns versichert hatten, dass es kein Problem sei, hier eine Nacht zu schlafen, parkten wir unauffällig zwischen den Italienern und unterhielten uns noch ein wenig mit dem deutschen Ehepaar des Campingbusses, bevor wir uns zu fortgeschrittener Stunde endlich zu Bett begaben.

Am nächsten Morgen fuhren wir direkt weiter. Frühstücken wollten wir erst auf dem Campingplatz. Dass wir in Finikounda auf einen Campingplatz wollten, hatten wir bereits besprochen. In den Jahren seit 1997, als wir das letzte Mal hier waren, sind einige neue Plätze entstanden. Damals standen wir auf dem Campingplatz Loutsa (N3648.257 E2149.273), der aber diesmal fast vollständig belegt war. Der neue Campingplatz Finikes (N3648.194 E2146.863), den wir zuerst anschauten, gefiel uns nicht.

Finikounda

Als nächstes besichtigten wir den Platz Anemomilos (N3648.336 E2148.095), der auch sehr gut belegt war, allerdings noch einige Parzellen in Strandnähe frei hatte. Wir beschlossen, zu bleiben, zumal uns ein guter Preis (20€/Nacht ohne Strom) angeboten wurde.

Beim Beziehen des ausgesuchten Stellplatzes, in den ich souverän hineinkurvte, stellte sich jedoch heraus, dass außerhalb der geschotterten Wege der Untergrund aus losem Sand besteht. Dies hatte zur Folge, dass sich unser schweres Fahrzeug, trotz aller Vorsicht, schlagartig bis zur Achse eingrub. Schnell war die ganze Nachbarschaft des Platzes zur Stelle um mir mit Rat und Tat zu Helfen.

Was nun?

Am Ende halfen einige Bretter und der Wagenheber, das Wohnmobil wieder flott zu machen und in die endgültige Parkposition zu manövrieren. So lernten wir sehr schnell Gabi und Volkmar mit ihren beiden Kindern Isabell (Isa) und Florian (Floh) kennen.

Wir waren uns von Anfang an sympathisch und verbrachten fast die ganze Zeit, die wir auf dem Campingplatz Anemomilos zubrachten, zusammen.

Flo(h) Florian, der süße Schlingel

Sarah und ihre neue Freundin Isabell beschlossen spontan, noch in diesem Urlaub reich zu werden und gründeten ein Modeschmuckherstellungs- und Vertriebsunternehmen, dass allerdings nicht lange durchhielt. Anfangs kamen zu wenig Kunden. Gegen später änderte sich die Situation. Die Nachfrage nach Arm- und Fusskettchen stieg, während die Herstellung ins Stocken geriet. Ich habe mein bestelltes Armkettchen bis heute nicht erhalten…

Entgegen unserer sonstigen Gewohnheit, nach einigen Tagen weiter zu fahren, blieben wir eine ganze Woche, bevor wir uns endlich am Dienstag, den 24. August loseisen konnten, um doch noch etwas anderes zu sehen.

Volkmar beim abendlichen Grillen

Über den Campingplatz gibt es viele Dinge zu berichten. Das Wichtigste: es hat uns hier ausnehmend gut gefallen. Dies lag aber in der Hauptsache in den Menschen begründet, die wir hier kennen gelernt hatten. Der Strand, bzw. das Meer hat uns weniger gut gefallen. Dieses Jahr war eine große Steinplatte im Wasser frei gelegt, die sehr scharfkantig und glitschig war und das Baden zu einer gefährlichen Mission machte. Im Laufe der Woche holte ich mir trotz aller Vorsicht mehrere schmerzhafte Schnittwunden und Kratzer, die aufgrund des ständigen Salzwasserkontaktes nicht mehr zuheilten. Unbeschwertes herumtollen mit den Kindern im Wasser, wie wir es an anderen Stränden praktiziert hatten, war an diesem Strand einfach nicht möglich.

Das sah ja noch ganz gut aus, aber was sich knapp unterhalb der Wasseroberfläche verbarg, war weniger schön. Eine gigantische Felsplatte mit scharfen Kanten und Zacken lag entlang des gesamten Strandes, etwa einen Meter vom Ufer entfernt. Zum Baden war der Strand also aus meiner Sicht weniger geeignet. Da meine Sicht sich aber nicht mit der der Kinder deckte, tobte die Bande trotzdem die meiste Zeit im Wasser herum. Vielleicht werde ich allmählich alt…?

Stattdessen konnte man hier gut surfen, denn in diesem Jahr war der Wind eine verlässliche Konstante, wenn auch teilweise recht böig und manchmal auch zu stark für uns Urlaubssurfer.

Fachsimpeln…

… und gemeinsames Aufriggen

Noch eines fiel mir auf: die meisten der Menschen, die wir hier kennen lernten, kannten sich schon seit vielen Jahren. Die meisten kommen jedes Jahr wieder und verbringen ihren kompletten Urlaub nur auf diesem einen Platz. Dabei gibt es ein Bestreben: jeder versucht, im Laufe seines Urlaubs einen Stellplatz in der ersten Reihe, d. h., direkt am Strand zu ergattern. Vagabunden wie wir, die nur zwischendurch einmal ein paar Tage hereinschauen, haben keine Chance auf einen derartigen Platz – zumal die Plätze in der ersten Reihe für uns ohnehin ungeeignet wären. Es sei denn, ein Transporthubschrauber setzt unser Wohnmobil dort vorne im Sand ab und holt es dort auch wieder ab.

Gabi und Volkmar bekamen endlich den lange ersehnten "Platz an der Sonne in der ersten Reihe"

Volkmar und ich hatten uns viel zu erzählen. Es hatte sich heraus gestellt, dass wir trotz völlig unterschiedlicher Berufe, doch einige gemeinsame Interessen und Hobbys haben. So macht zum Volkmar zum Beispiel elektronische Musik, die er selbst komponiert. Wer mich und unsere Internetseite etwas genauer kennt (hier gibt es einige Hörproben), weiß, dass ich dies vor langer Zeit (es mag inzwischen 20 Jahre her sein), auch einmal gemacht habe. Damals jedoch noch nicht mit dem Computer als Klangerzeuger, sondern mit ‚richtigen’ Synthesizern. Volkmar erweckte diese frühere Leidenschaft in mir wieder zum Leben. Mal sehen ob ich nach dem Urlaub dazu komme, mich etwas mit den neuen Möglichkeiten der elektronischen Musik zu befassen.

Schnell entdeckten wir gemeinsame Interessen und Hobbys, sodass uns die Gesprächsthemen nie ausgingen

Bei unseren Unterhaltungen erwähnte ich auch mein neues Steckenpferd Geocaching. Nachdem ich erläutert hatte, um was es dabei geht, war Volkmar Feuer und Flamme für die Idee, herauszufinden, ob es in Griechenland auch Caches gibt und eventuell einige davon, mit mir zusammen zu suchen. Da ich dies ohnehin vorhatte, denn ich musste noch zwei Travelbugs aus den USA im Mittelmeerraum aussetzten, und Volkmar einen PKW zur Verfügung hatte, bot sich diese gemeinsame Unternehmung an. Im Internetcafe des Campingplatzes (1 PC) hatte ich auf www.geocaching.com ermittelt, dass es fünf Caches auf der Peloponnes gibt, allesamt auf der für uns erreichbaren Halbinsel Mani gelegen. Dorthin machten wir uns am Montag, den 23. August auf den Weg. Ich möchte jetzt nicht die Einzelheiten dieses Ausflugs detailliert erzählen, aber am Ende des Tages hatten wir zwei der fünf Caches gefunden (MANI ADVENTURE 3, N3651.053 E2215.489 und MANI ADVENTURE 4, N3650.522 E2215.898). Einer war nicht mehr vorhanden (MANI ADVENTURE 2, N3653.478 E2214.092), einer lag, für uns unerreichbar, auf dem Gipfel eines Berges (MANI ADVENTURE 1, N3652.993 E2217.379) und den letzten konnten wir aufgrund der späten Stunde nicht mehr suchen (MANI ADVENTURE 5, N3638.299 E2222.913).

Volkmar mit seinem ersten Cache – noch dazu ein "First Found"!

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Trotzdem war dieser Tag ein schönes Erlebnis, dass wahrscheinlich den Ausschlag gegeben hat, dass die Geocaching Gemeinde ein neues Mitglied namens 'Mäuseplage' begrüßen konnte (Wir nennen uns übrigens 'Familie Cachemaus'). Für mich hat dieser Umstand auch sein Gutes, denn Volkmar und Gabi wohnen nicht weit von uns entfernt. Wir werden uns bestimmt nach dem Urlaub öfter treffen. Vielleicht auch zum gemeinsamen geocachen…? Einen meiner beiden Travelbugs konnte ich übrigens auf dieser Tour verstecken. Den zweiten musste ich wieder mitnehmen, denn keines der Verstecke war groß genug, den Tavelbug ‚Wandering Sailor’ aufzunehmen.

Über Gabi und Volkmar lernten wir Gabi und Willi kennen. Wie viele andere kommen auch sie jedes Jahr im Sommer hier her. Willi hatte ein Schlauchboot mit 25PS Motor dabei. Das Boot hatte es vor allem Fabian angetan. Nachdem Willi den Kindern eines Tages anbot, eine Tour mit ihnen zu unternehmen, war Fabian plötzlich Willis größer Fan. Und Willi musste Fabians ständige Quengeleien ertragen, denn Fabian wollte jetzt jeden Tag Boot fahren…