Montag, 24. Mai 1999

Frühmorgens wache ich vom rasseln und knallen der Verzurrketten auf. Die Lastzüge werden bereits von ihren Ketten befreit. Das bedeutet: Patras kann nicht mehr weit sein. Im Bewußtsein, daß die schlafenden Wohnmobilbesatzungen sich ebenfalls auf das Verlassen der Fähre vorbereiten müssen, sind die Matrosen nicht gerade leise bei ihrer Tätigkeit.

Ich schleiche mich aus dem Bett und tapse zur Außenluke. Es ist noch dunkel. Ein Blick auf die Uhr: es ist 4:45 Uhr. Wir haben griechische Zeit, also ist es 5:45. Zu früh. Laut Prospekt müßte die Fähre um 9 Uhr in Patras sein. Trotzdem reduziert das Schiff die Fahrt und ein Blick nach außen bestätigt: wir sind kurz vor dem Anlegen. Das Schiff hat die einstündige Verspätung wohl mehr als aufgeholt. Schnell mache ich das Wohnmobil fahrfertig. Meine Mannschaft schläft noch und das ist gut so.

Als ich fertig bin, höre ich schon das piepsen der Auffahrrampe des Campingdecks. Sie wird bereits abgelassen, daß heißt, gleich verlassen die ersten Wohnmobile das Schiff. Unsere Freunde von gestern haben wir leider nicht mehr getroffen. Wir wissen nicht mal ihren Familiennamen. Gerade als ich zur Rampe komme, fahren sie hinunter. Wir winken uns nochmals, das war's. Weg sind sie.

Ich gehe zurück zum Wohnmobil. Von der allgemeinen Betriebsamkeit sind Annemarie und Fabian wach geworden. Sie erwarten mich schon. Ich komme gerade rechtzeitig, um unser eigenes Wohnmobil vom Schiff zu fahren.

Obwohl wir gestern den ganzen Tag Zeit gehabt hätten, um unsere ersten Reiseziele festzulegen, wissen wir beim Verlassen des Hafens noch nicht, welche Richtung wir einschlagen sollen. Deshalb verlassen wir Patras zuerst Richtung Osten um wenige Kilometer weiter umzudrehen und doch erst mal nach Kalogria zu fahren. Es scheint uns vernünftiger, den Urlaub einige Tage an einem schönen Sandstrand zu beginnen. Um etwas zu erleben, ist noch lange genug Zeit. Die Kinder sollen merken, daß wir im Urlaub sind. Und Urlaub heißt für sie: Sand, Meer und Eis.

Der große Parkplatz in Kalogria, auf dem wir den letzten Sommerurlaub beendet haben, ist rundum besetzt. Wir finden aber einen anderen Platz, an dem wir uns niederlassen können. Schnell werden die Stühle und der Tisch ausgepackt und gefrühstückt. Es gibt hier einen Wasserschlauch, von dessen Existenz wir in den Vorjahren nichts wußten. Sarah muß sofort ihre Eimerchen füllen und die neue Spielzeugpumpe ausprobieren.

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Allerdings stellen wir sehr bald fest, daß es hier auch Tausende winzig kleiner, aber fürchterlich beißender Fliegen gibt. Weiter vorn am Strand stehen ebenfalls einige Wohnmobile, und dort ist man weiter von den Brutstätten der Fliegen entfernt, hoffen wir. Annemarie ermittelt einen freien Stellplatz zwischen den Wohnmobilen dort vorne und wir ziehen um.

P011992.jpg (17985 Byte)Nachdem alles aufgebaut ist, fahre ich mit dem Roller in die nahegelegene Ortschaft, um einzukaufen. Leider gibt es keine Gurken und Tomaten. In drei Tagen, gibt man mir zu verstehen, käme die nächste Lieferung. Zurück am Wohnmobil, genießen wir Brot, Oliven, Schafskäse und ich mein erstes Amstel-Bier in diesem Jahr.

Die Sonne scheint äußerst stark und ich merke bald, daß meine Haut zu spannen beginnt. Schnell ziehe ich mir lange Klamotten an. Einen Sonnenbrand möchte ich nicht gleich am ersten Tag riskieren. Es geht ein frischer Wind und im Schatten empfinde ich es fast als etwas zu frisch.

P012005.jpg (13302 Byte)Sarah und Fabian springen den ganzen Vormittag herum und wir haben alle Hände voll zu tun, um die Kinder im Schatten zu halten. Gegen zwei Uhr fallen beide todmüde um. Wir Eltern nutzen die Kinderpause ebenfalls zum ausruhen.

Als die beiden später wieder wach werden, geht die Toberei weiter. Wir verbringen den restlichen Tag damit Muscheln zu suchen, Eis zu essen und Fußballspielen. In der Abendsonne mache ich einige schöne Videoaufnahmen von den spielenden Kindern.

Abends frischt der Wind auf und wir sind froh, daß wir uns in das warme Wohnmobil zurückziehen können. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, daß es letzten Mai auch so frisch war. In der Abenddämmerung überfällt uns ein Schwarm Mücken. Unsere Insektenlampe scheint nicht besonders anziehend auf die Gunupis zu wirken, denn nur ein einziges dieser Plagegeister verirrt sich wohl eher durch Zufall in die Lampe, um zu verschmoren.

Später in diesem Urlaub werden wir feststellen, daß die Lampe Gold wert ist. Immer wenn wir an einem mückengefährdeten Ort stehen, lassen wir das Licht über Nacht brennen. Die Lampe füllt sich im Laufe der Zeit mit den kleinen Quälgeistern und wir haben im Großen und Ganzen unsere Ruhe.

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